Spaziergang durch die Schulgeschichte

Nichts als Musik im Kopf

Die Mozart - Volksschule Elsenfeld (Grundschule) feiert 2006 das 50jährige Schuljubiläum und gleichzeitig den 250. Geburtstag ihres Namensgebers Wolfgang Amadeus Mozart.


In der Urkunde zur Grundsteinlegung der Mozartschule 1955 heißt es:

 "Dank der weit blickenden Ortsplanung entsteht die neue Schule zwischen der im Bau befindlichen Kirche und der bereits im Vorjahr fertig gestellten Turnhalle. Durch diese Bautrilogie wird die Zusammengehörigkeit von Seele, Geist und Körper nach außen hin in einer Art und Weise dokumentiert, die in unserem gesamten Heimatbereich wohl einmalig ist."

 

1956 - im Jahr des 200. Geburtstages von W. A. Mozart - wurde unsere Schule gebaut.

Die weltweiten Feierlichkeiten waren der Anlass, der ganz modernen Schule den Namen dieses "Wunderkindes der Musik" zu geben. Das geschah auf Vorschlag des damaligen Pfarrers Keith in Übereinstimmung mit dem damaligen Bürgermeister Ballmann und dem Schulleiter Velhorn.

Schon damals war mit der Namensgebung durch die Entscheidungsträger des Marktes sicher ein gewisser Anspruch an die musikalische Erziehung verbunden. Dieser Anspruch konnte in unserer Schulgeschichte vielfach verwirklicht und zu Gehör gebracht werden. In all den 50 Jahren wurde viel gesungen und musiziert unter musikalisch engagierten Schulleitern und Lehrkräften. Unvergessen ist der "Mozartchor", der unter der Leitung des Lehrers und späteren Konrektors der Mozartschule, Volker Vill, mit mehreren Auftritten im Fernsehen großes Aufsehen erregte. Ein besonderes Highlight war der Live-Auftritt des Chores in der Eurovisionssendung "Einer wird gewinnen" mit dem legendären Quizmeister Hans Joachim Kulenkampff, zusammen mit der griechischen Starsängerin Nana Mouskouri.

Im Jubiläumsjahr steht ein Musiktheater mit dem Titel "Carmen trifft Mozart" zur Aufführung, das viele musikalische, gestalterische und kreative Schüler unserer Schule zusammenführt.

Schon im Vorfeld näherten sich unsere Schüler dem Mozartjubiläum und dem Schuljubiläum auf verschiedene Weise in verschiedenen Fächern, mit außerschulischen Experten, in Kooperation mit der Musikschule Obernburg und in Aktionen mit Eltern.

Zurzeit besuchen die Mozartschule, die in üppiges Grün großzügig eingebettet ist, 434 Schüler in 17 Klassen, die auf 2 Schulhäuser aufgeteilt sind. Das Schulhaus in Schippach nimmt 4 Klassen auf.

24% unserer Schüler stammen aus Migrantenfamilien. Es zeigt sich  immer wieder, wie projektbezogenes Lernen zur Integration beitragen kann, weil es zur mutigen Erprobung der deutschen Sprache und der Talente ermuntert.

Den Unterricht versehen insgesamt 31 Lehrkräfte.

Schon vor Unterrichtsbeginn begleitete an manchen Tagen in diesem Schuljahr Musik aus Mozarts Werken Schüler und Lehrkräfte in die Klassen, ließ in der Pausenhalle aufhorchen und begegnete aufmerksamen Ohren in verschiedenen Gängen unseres Schulhauses. Auch in einem musikalischen Workshop für das Lehrerkollegium stand Mozart im Mittelpunkt.

 

 

Ein Spaziergang durch die Schulgeschichte

Einige Klassen erkundeten in Elsenfeld Spuren früheren Schullebens. Die Klasse 4a besuchte mit Klassenleiter Helmut Wörn Standorte der "alten" Schulen. Der Weg führte sie in den "Zwerchsack".

 

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Die Klasse 4a auf Erkundungsreise vor dem Gebäude der alten Schule im Zwerchsack.

 

 

 

Dort war die alte Volksschule seit etwa 1850 in einem zweistöckigen Gebäude im Hofgeviert Zwerchsack, schräg gegenüber der Sankt-Gertraud-Kirche. Im Zwerchsack hatten zwei Bauernhöfe damals ihre maroden Dunggruben, die mit ihren Dünsten oft genug die Luft im Schulhaus verpesteten.

Bis 1899 befanden sich dort die Unterrichtsräume für die I. und II. Schulstelle mit jeweils 50 - 65

Schülern und eine Lehrerwohnung.

 

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Vor dieser Zeit bis etwa 1850 gab es einen Schulraum im 1. Stock des alten Rathauses von Elsenfeld, heute ein schönes Fachwerkhaus an der Ecke Hauptstraße, Rathausgasse. Ansonsten war der Raum Sitzungssaal.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Notizen auf dem Merkblock

Der geschichtliche Rundgang führte die Klasse 4a weiter zur so genannten "neuen Schule". Das Gebäude beherbergt heute den Kindergarten "Abenteuerland".

 

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Die Klasse 4a auf den Spuren der Elsenfelder Schulgeschichte vor der alten

"neuen Schule".

 

Erbaut wurde die dringend benötigte neue Schule auf behördliche Anweisung 1898 / 1899 mit 2 Schulsälen (Klassen 1-4, und 5-7) mit bis zu 106 Schülern. Laut Gemeindeprotokoll fand am 30. Juli 1899 die feierliche Einweihung mit kirchlichem Segen statt. Jeder Schüler erhielt "zur Erinnerung an die Einweihungsfeier einen Zehnpfenningweck".

Doch nahm die Schülerzahl enorm zu und die Klassenräume mit drangvoller Enge erschwerten alles Lernen.

Der Zeitzeuge, Herr Rudi Hofer aus Elsenfeld, erzählte dazu lebhaft in einem Interview auf Fragen unserer Schüler:

 

clip image005"In der 1. Klasse waren wir damals bis zu 50 Schüler. Mehrere Schülerjahrgänge wurden zusammen in einem Raum unterrichtet, bis es nicht mehr zumutbar war. Dann wurde im Schichtunterricht vormittags und nachmittags und natürlich auch am Samstag Schule gehalten.

Bis zur 3. Klasse haben wir auf Tafeln mit Griffeln geschrieben. Wenn wir mal die Hausaufgaben vergessen hatten, konnten wir als Entschuldigung leicht sagen: das hat einer abgewischt. Schlimm war die große Hitze, wenn man im Winter neben dem glühenden Ofen saß, den der Hausmeister schon lange vor 8.00 Uhr einschüren musste. Einmal musste der Hausmeister sogar die Glut dämpfen mit einem Eimer Wasser.

Das Schreiben mit Feder und Tinte war doch recht mühsam und die Tintenkleckserei verzierte oft unsere Hefte. Ich war sehr froh als ich für meine letzten 2 Schuljahre in die moderne Mozartschule einziehen durfte: endlich Platz und helle Räume .".

 

 

 

 

clip image006Dann wurde von Streichen der Schüler erzählt. Die Schüler hörten gebannt den interessanten Geschichten des Zeitzeugen zu. Auch das Schreiben mit Federhalter und Tintenfass wollten sie erproben. Die Exponate des kleinen Schulmuseums, die der Heimat - und Museumsverein in der Schule ausgelagert hat, geben Gelegenheit dazu. "In die kleinen Lederranzen von früher passt nur ganz wenig hinein. Das ist ganz leicht" vergleicht eine Schülerin mit ihrer eigenen gefüllten Schultasche.

 

 

 

 

 

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Ein Foto aus der Schulzeit von Herrn Hofer .

 

 

 

 

 

 

 

 
Die Nachkriegszeit mit vielen Flüchtlingen und Zuzügen ließ die Schülerzahl nach oben schnellen. Ein neues  Gebäude musste schnellstens errichtet werden. Noch heute bestaunen unsere Schüler das farbenfrohe Wandbild, das der Kunstmaler Reis aus Obernburg für die Pausenhalle gestaltete. Es ist unversehrt und in seinem Malstil sicher auch ein erhaltenswertes Zeitzeugnis.

 

 

Rektor Velhorn, dem die Schulgeschicke seit 1933 oblagen, zog mit seinen Klassen in den 1. und 2. Trakt der stattlichen Mozartschule ein und ging 1957 in Pension.

 

Ihm folgte als Rektor Georg Keimel von 1957 bis 1964. Er favorisierte die Heimatkunde und machte - wie unsere pensionierte Kollegin Frau Elisabeth Göbel weiß - gerne mit dem ganzen Kollegium nachmittags Exkursionen in die Umgebung. Eine erste Gemeindebücherei wurde zu seiner Zeit in der Schule untergebracht und von Frau E. Göbel betreut. Eine frühe Filmbildstelle kam hinzu. In Erinnerung ist das von Rektor Keimel geschaffene Spessartlied.

 

Nach wenigen Jahren musste 1961 der 3. Trakt für die Mozartschule erstellt werden. Die Presse nannte ihn "nüchtern, real und preiswert". So blieb für die Schüler noch etwas Geld übrig. Sie erhielten bei der Einweihung "Weck und Woscht".

 

Von 1964 - 1987 übernahm Rektor Fred Schecher die Schulleitung.

Unter seiner Ägide wurde durch sein musikalisches Wirken der Name der Mozartschule bekannt. Noch 1967 wurde die Umwandlung der katholischen Bekenntnisschule in eine christliche Gemeinschaftsschule abgelehnt. Weitere Zuzüge im aufstrebenden Elsenfeld machten es nötig, dass 1970 der 4. Trakt der Mozartschule als Hauptschule errichtet werden musste.

 

Die Gebietsreform 1971 brachte jedoch die christliche Gemeinschaftsschule mit sich. Eichelsbach kam zum Schulverband Elsenfeld, und der Schulverband, den Rück/Schippach mit Streit und Mechenhard eingegangen war, wurde aufgelöst. Neue Klassen - durch die Rezession im Ruhrgebiet - müssen eingerichtet werden, die 9. Klasse wurde eingeführt. Die Schule boomt.

Im Jahr 1972 trennt sich die Volksschule in Grund - und Hauptschule. Der Name verblieb bei der Grundschule, die Rektor Fred Schecher führte.

Der wirtschaftliche Aufschwung bringt viele Ausländer nach Elsenfeld. Es wurden die so genannten 2sprachigen Klassen mit türkischen Lehrkräften eingerichtet - in der Mozartschule in jedem Jahrgang.

Die Bedeutung des Faches "Deutsch als Zweitsprache" erfährt große Aufmerksamkeit.

 

Seit 1987 leitet Rektorin Ingrid Vogl die Mozartschule.

Mit der Generalsanierung der beiden Pausenhallen und der Neugestaltung des großen Schulhofes im Jahr 1989 wurde für DM 400 000.- ein positives Zeichen gesetzt, das von allen, die das Schulhaus nutzten, sehr begrüßt wurde.

Eine kindgemäße Schulgeländegestaltung rund um das Schulhaus in Schippach realisierten die dort eingesetzten Lehrkräfte mit viel Idealismus und tatkräftiger Elternhilfe.

 

Ein Umdenken in der Beschulung der Ausländerkinder hin zu weiteren Integrationschancen brachte die Auflösung der 2sprachigen Klassen. Seit 1994 nahm die Mozartschule am Modellversuch "Integration ausländischer Schüler in deutschen Regelklassen" teil. Interkulturelles Lernen war die natürliche Folge. Für das Umsetzen des interkulturellen Ansatzes im gemeinsamen Lernen, Feiern, in der Elternarbeit und der Sprachförderung erhielt die Mozartschule den "1. Preis des BMW - Awards für interkulturelles Lernen".

 

 

Mozartschule aktuell

Das Schulprofil wird zum einen von der Integration von Migrantenkindern geprägt und zum anderen von der "Integration durch Kooperation" mit den behinderten Kindern der Galmbacher Schule aus Elsenfeld. Getragen wird das erfolgreiche Projekt von Konrektorin Frau Maria Hahn und Frau Luise Ritter aus der Förderschule. An ausgesuchten Themen in zeitweise gemeinsamen Unterricht wird gelernt, gestaltet, gesungen. Die gegenseitige Bereicherung macht Mut, eine Klasse der Galmbacher Schule als Außenklasse bei angemessenem Raumangebot in Zukunft in der benachbarten Mozartschule zu installieren.

Es ist ein schöner Brauch geworden, dass behinderte und nicht behinderte Kinder das Luzia - Licht im Winter mit Gesang und Spiel in alle Schulen Elsenfelds tragen.

 

Zum Thema "Integrationschancen eröffnen" gehören auch die Angebote "Ausländische Eltern lernen Deutsch an der Schule ihrer Kinder" und ein abgeschlossener Alphabetisierungskurs für ausländische Frauen. Für die Migrantenkinder aus den Kindergärten bieten wir zur Sprachförderung eine

Literacy - Erziehung, den verpflichtenden Deutsch - Vorkurs und im

1. Schuljahr Sprachlernklassen an. Dies geschieht in einer erfolgreichen Kooperation mit den engagierten Sprachförderkräften aus dem Vorschulbereich.

Eine intensive Zusammenarbeit  zwischen Grundschule und unseren engagierten Kindergärtnerinnen gestaltet Übergänge zwischen beiden Bildungseinrichtungen. "Starten schon im Kindergarten" heißt unser gemeinsames Motto.

 

Das Nutzen des außerschulischen Lernorts ist ein zeitgemäßes Standbein unseres Unterrichts:

Kooperation mit der Bibliothek, mit dem Heimatmuseum, mit der Zahnarztpraxis, mit Naturschutzverbänden. Die Begegnung und das Arbeiten mit Künstlern, Atelierbesuche und regelmäßige Ausstellungs - und Theaterbesuche bringen Wissenszuwachs und fördern Kreativität und geben Migrantenkindern weitere Integrationsmöglichkeiten. Die Teilnahme an der Kinder - Universität an der Fachhochschule in Aschaffenburg schildert ein Schüler in seinem Beitrag für die

Schülerzeitung als "sehr interessanten Vormittag".

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Prof. Dr. Ing. Herr Mewes hielt eine aktionsreiche Vorlesung über Elektrizität und Magnetismus für die Schüler der Mozartschule

 

 

 

 

 

 




Der Computer hat Einzug in den Unterricht gehalten und fördert mit seinen Möglichkeiten die Lernmotivation. Seit Jahren ist Englisch Pflichtfach, das sein Anforderungsniveau steigert. Auch damit wird die Anschlussfähigkeit in alle weiterführenden Schulen erhöht.

Eine Vielzahl von Arbeitsgemeinschaften bietet nachmittags eine sinnvolle Tätigkeit. Den Bedarf an nachmittäglicher Mittags - und Hausaufgabenbetreuung können wir für eine gemischte Schülerschar bis 15.30 Uhr in 3 Gruppen decken. Die Planungen für eine offene Ganztagsgrundschule laufen an.

Die Schule nimmt bewusst an überörtlichen Wettbewerben teil.

Eine veränderte Kindheit und Jugend fordert von den Lehrkräften in Bezug auf Unterricht und Erziehung täglich hohen Einsatz. Elternbeirat und Eltern sind unverzichtbare Partner unserer Schule.

Wir öffnen unsere Schule in vielfältigen Projekten, um die Öffentlichkeit teilhaben zu lassen an wichtigen schulischen Arbeiten.

Die Autorin Astrid Lindgren hat die Aufgabe der Schule so beschrieben:

Schule soll gewinnbringend, anregend und aufregend sein.